Diese beiden pfeifen auf Geld und haben lieber Gaudi(s)

Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Die ganze Welt dreht sich um kleine bedruckte Papierscheine, genannt “Geld”… Die ganze Welt? Nein! Unbeugsame Gaudianer haben damit begonnen, dem Mammon Widerstand zu leisten…


 

Nein, wir sind hier nicht bei Asterix und Obelix, sondern bei Bianka und Andreas in St. Ruprecht. Diese beiden kreativen Köpfe haben sich den “Gaudi” ausgedacht, eine Idee, die dabei helfen soll, sich vom Geldsystem wie wir es kennen zu verabschieden.

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Bianka Maria Emmerich und Andreas Unterweger sind die Schöpfer des Gaudi.

 

WIR OSTSTEIRER haben nachgefragt, wie die Gaudianer sich das vorstellen. Bianka und Andreas haben uns erklärt, welche Gedanken hinter dem Gaudi stecken, was der Gaudi letztendlich bewirken soll und welchen Irrtümern wir im Bezug auf Geld immer wieder aufsitzen.


 

Irrtum 1: Geld hat einen Wert

“Unser Geldsystem ist ein Mangelsystem,” erklärt Bianka. “Es ist immer zu wenig davon da, darum setzen wir alles daran, nur ja genug davon zu haben.” Wir machen Jobs, die uns nicht gefallen. Wir machen uns Sorgen, für unsere Arbeit nicht genug davon zu bekommen. Und wenn wir es endlich haben, wollen wir es am liebsten gar nicht mehr hergeben. “Dabei steht hinter den bedruckten Zetteln kein Wert, außer dem, den wir ihnen selber geben,” so Andreas.

 

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Der Gaudi ist ebenfalls nur ein Stück bedrucktes Papier, dem man eben den Wert eines Euros gegeben hat. Dieses Stück Papier ist aber weniger mit Bedeutung aufgeladen als unser offizielles Geld. “Mit Gaudis zu bezahlen fühlt sich viel leichter an, als mit Euros zu bezahlen. Das haben wir bei unseren Gaudianertreffen festgestellt,” meint Bianka.


 

Irrtum 2: Gibst du mir, geb ich dir und alles ist gut

Viele Initiativen wie Tauschkreise oder Talentebörsen versuchen bereits, Geld als Zahlungsmittel zu umgehen. Davon hält Andreas aber wenig: “Ob ich zwei Euro gegen ein Glas Wasser tausche oder sonst etwas statt dem Geld, ist egal. Nur das Tauschmittel ändert sich.”

 

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Beim Gaudi geht es darum, den Tausch an sich zu beenden. Der Gaudi ist eine Zwischenphase, denn mit ihm wird ja auch getauscht. “Wenn wir verstehen, dass nicht das Geld wichtig ist, sondern die Werte, können wir auch erkennen, dass der Tauschhandel unnötig ist. Ziel ist, dass man aus der Fülle heraus gibt und auch nimmt, und nicht gegeneinander aufrechnet.” Ziel ist also die Schenkwirtschaft.


 

Irrtum 3: Geben ist besser als Nehmen

Jeder von uns hat eine Fülle von Fähigkeiten, mit denen wir anderen beitragen können. Viele tun das auch gerne, denn wer gibt, ist ein guter Mensch. “So kann aber kein Kreislauf entstehen,” erklären Bianka und Andreas. “Wenn alle nur geben möchten und niemand sich etwas nehmen traut, geht das Geben ins Leere.” Auch die Schenkwirtschaft ist ein Kreislauf, in dem Angebot und Nachfrage sich die Waage halten sollen.

 

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Irrtum 4: Fülle muss man sich erst erarbeiten

Den Gaudi gibt’s geschenkt. Wer dem Gaudi-Verein beitritt, erhält zum Einstieg – einfach so! – 600 Gaudis im Wert von 600 Euro, um damit wirtschaften zu können. “Wir wollen gemeinsam in die Fülle kommen,” erklärt Bianka. Mit diesem “Startkapital” ist dazu schon der erste Schritt getan.

 

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Jeder Gaudianer überlegt sich, welche Dinge oder Dienstleistungen er der Gemeinschaft anbieten kann und wieviele Gaudis er dafür verlangen möchte. Bianka: “Interessant ist, dass man dabei oft erst drauf kommt, was man gerne macht und was man eigentlich nur für Euros macht. Umgekehrt tut man vielleicht etwas gerne, was man für Euros gar nicht tun würde, weil man einfach mit Menschen in Beziehung tritt und gerne hilft.”


 

Irrtum 5: Das kann ja gar nicht legal sein

Sind wir da nicht schon mittendrin in der Schwarzarbeit? Ganz und gar nicht. Neben mehr als 300 Privatpersonen haben sich inzwischen auch schon über 50 Betriebe dem Gaudi angeschlossen. Man kann mit dem Gaudi einkaufen, Handwerker bezahlen oder Essen gehen.

 

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Diese Umsätze der Betriebe werden in Euro umgerechnet und ganz normal versteuert. Da ein Rücktausch von Gaudis in Euro nicht möglich ist, schauen die Betriebe darauf, ihre Gaudis auch wieder in Umlauf zu bringen, indem sie Leistungen aus der Gemeinschaft in Anspruch nehmen. Der Kreislauf läuft.


 

Beim nächsten Gaudianertreffen am 2. Dezember 2015 um 18 Uhr im Steirisch Ursprung (Brodersdorf) haben Neugierige die Möglichkeit, in die Welt des Gaudi hineinzuschnuppern. Bei den Treffen gibt es Workshops für Einsteiger und “alte Gaudi-Hasen” und die Möglichkeit, sich mit anderen Gaudianern auszutauschen. Auch Bianka und Andreas werden dabei sein und beantworten gerne offene Fragen.

Infos gibt es auch auf www.gaudis.at.