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Verafake: So werden wir vom Fernsehen verarscht – als Zuseher und Mitwirkende

Jan Böhmermann ist ein deutscher Satiriker, Moderator und ja, das ist der mit der Böhmermann-Affaire. Ziegen und so. Jan Böhmermann muss man nicht mögen. Jetzt hat er allerdings eine Aktion hingelegt, die – man verzeihe den Ausruck – einfach geil ist: Er hat Schauspieler in die deutsche Trash-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust.

Jan Böhmermanns Verafake

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Jan Böhmermann hat also zwei Schauspieler als Kandidaten bei „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust. „Nur um zu dokumentieren, was RTL für eine Scheiße mit Menschen abzieht, die sich nicht wehren können“ will Böhmermann das gemacht haben. Wer die Sendung kennt, hat sich vielleicht auch schon gefragt, woher die ihre Kandidaten nehmen.

Nicht nur bei „Schwiegertochter gesucht“ drängt sich der Verdacht auf, dass es hier nicht nur um die herzige Suche etwas vertrottelter Meschen nach Liebe geht. Es geht um die Kohle.

Mit dieser Kombination fahren auch andere Sendungen ganz gut: Bauer sucht Frau stellt Landwirte nach dem gleichen Schema ins Rampenlicht, Germany’s (oder Austrias) Next Topmodel verheizt hübsche junge Mädchen auf dem Laufsteg, Machos & Playboys propagiert das Bild vom Mannsbild und Teenager werden Mütter zeigt eben dieses: Blutjunge Teenimütter ohne Plan. Irrsinnig lustig, irrsinng spannend, irrsinnig dramatisch, irrsinnig unterhaltsam. Irrsinnig.

Und irrsinnig weit weg. Ist ja nur das Fernsehen. Aber hoppla: So weit weg ist das gar nicht! Einer der Machos kommt aus Fladnitz an der Teichalm. Einen Bauern aus Wetzawinkel hatten wir auch schon. Dass der eigentlich ein hochintelligenter Mensch ist, kam in der Sendung nicht wirklich rüber.

Echte Menschen mit echten Problemen und einem echten Leben? Ja eh. Nur halt ein bissl gepimpt für’s TV. Das gehört schließlich zum Geschäft.

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Jan Böhmermann

Harte Währung Aufmerksamkeit

Jan Böhmermann kennt dieses Geschäft genau. Ihm nur nachzusagen, dass er diese Aktion aus reiner Nächstenliebe und dem Wunsch nach Aufklärung durchgezogen hat, wäre wahrscheinlich zu viel des Guten. Er weiß genau, dass er damit von seinen letzten Schlagzeilen ablenken kann. Er weiß bestimmt auch, dass so mancher Fernsehkonsument diesen Hype um „Schwiegertochter gesucht“ auch noch als Werbung auffassen wird. Vielleicht ist die ganze Aktion sogar ein Marketing-Coup, der gar nicht soooo heimlich abgelaufen ist.

Es liegt an uns, unsere Lehren daraus zu ziehen. Die härteste Währung im TV sind immer noch die Einschaltquoten. Wir zahlen mit unserer Aufmerksamkeit. Vielleicht stellt jetzt doch der eine oder andere seine Zahlungen ein.